Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen e.V. am 16.03.2026
Der Waldbesitzerverband Niedersachsen stellte am 16.03.2026 im Rahmen seiner Mitgliederversammlung das Thema „Kompensationsmarkt und Möglichkeiten für den niedersächsischen Waldbesitz“ in den Mittelpunkt. Den geladenen Mitgliedern und Gästen wurde ein sehr informatives Programm aus Grußworten und Fachbeiträgen geboten. Der vollbesetzte Saal und die zahlreichen Redebeiträge aus dem Publikum zeigen eines – das Thema trifft den Puls der Zeit.
Zu Beginn der Veranstaltung betont der Präsident des Waldbesitzerverbandes, Philip Frhr. von Oldershausen: „Der Wald ist in der Lage die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern und einmal mehr der Schlüssel zum Erfolg.“ Aber der Präsident stellt auch Handlungsbedarf bei Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren fest. Hier sieht Präsident von Oldershausen Politik und Gesellschaft in der Pflicht: „Wenn wir künftig Förderverfahren beschleunigen können, um neue Bäume zu pflanzen und unsere Wälder umzubauen, dann können die Waldbesitzenden High-Speed-Klimaschutz betreiben“.
Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Christian Meyer, bezeichnete sich in seinem Grußwort als großen Anhänger der produktionsintegrierten Kompensation (PIK). „Ökologische Bewirtschaftung, die finanziell honoriert wird, ist etwas, das zur Biodiversität beiträgt“, so Umweltminister Meyer. Mit Blick auf zahlreiche Energiewendeprojekte und ausgleichspflichtige Eingriffe spricht sich Minister Meyer für mehr produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen auf forstwirtschaftlichen Flächen innerhalb der betroffenen Kommunen aus. Auch die Klimaschutzleistung des Waldes wird von Niedersachsens Umweltminister Meyer thematisiert. „Es ist bedauerlich, dass sich die Forstwirtschaft im Emissionshandel nicht monetarisiert, denn in der Land- und Forstwirtschaft könnten positive Klimaschutz-Zertifikate generiert werden“.
Prof. Dr. Andreas Bitter, Präsident des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer, ging auf den akuten Handlungsbedarf bei der EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten (EUDR) und der Wiederherstellungsverordnung (W-VO) ein. Bezüglich der Wiederherstellungsverordnung erklärte Bitter: „Die Ziele der Verordnung gelten, aber es ist ein rationales und evidenzbasiertes Vorgehen notwendig. Die W-VO sollte aufgrund ihrer inhaltlichen Mängel und ihrer ungesicherten Finanzierung umgehend gestoppt und grundlegend überarbeitet werden. Eine solche Überarbeitung muss dem Anspruch gerecht werden, klimaresiliente, leistungsfähige Waldökosysteme mit einer Vielzahl klimaangepasster Baumarten zu sichern.“
Die Fachvorträge beleuchteten praktische Erfahrungen bei der Genehmigung und der Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen auf Waldflächen aus Sicht von Dienstleistern, Behörden und umsetzenden Betrieben. Nach jedem Vortrag zeigte sich das starke Interesse der Waldbesitzenden an Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Wald - idealerweise als produktionsintegrierte Kompensation - an zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum. Am Ende seines Vortrages zieht Hans-Peter Bockelmann, Vorstandsmitglied in der FBG Soltau und Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Hohe Heide, das Fazit: „Die Flächeneigentümer mitzunehmen ist das Wichtigste. Nur was wir gemeinsam mit den Menschen in der Fläche gestalten, hat dauerhaft Bestand. Denn niemand pflegt und behandelt das Familienerbe so, wie der der damit aufgewachsen ist, er muss nur davon auch Leben können!“
Im Zuge des Stromnetzausbaus im Kontext der Energiewende kommt es zu erheblichen Eingriffen in die Natur und Landschaft, die ausgeglichen (kompensiert) werden müssen. Bisher geschieht dies vorrangig durch Aufforstungen oder ökologische Vorhaben auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Fachtagung des Waldbesitzerverbandes hat Beispiele aufgezeigt, wie der Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen im Rahmen der
Kompensation reduziert und der Waldumbau im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen beschleunigt werden kann. „Wir setzen heute die Initialzündung für neue Möglichkeiten und eine Beschleunigung der Verfahren, in dem wir den Wald mit seinen Potentialen für Kompensationen mit einbeziehen“, resümierte Philip v. Oldershausen den Tag.
Präsident von Oldershausen bedankte sich herzlich bei den Grußwortrednern und Vortragenden für ihr Engagement und ihre fachlich versierten Beiträge zur Veranstaltung.
Quelle: Waldbesitzerverband Niedersachsen e.V.