Klimawandel, Hitzewellen, Waldbrandstufen – Niedersachsens Privatwaldbesitzende bilden sich weiter!
Hannover [02.07.2026] Hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge sorgten bereits im Frühjahr für ein erhöhtes Waldbrandrisiko in Niedersachsens Wäldern. Die Hitzewellen der vergangenen Tage mit Spitzentemperaturen von mancherorts bis zu 40 °C verdeutlichen eines: Wald- und Vegetationsbrände werden Jahr für Jahr zu einer akuten Gefahr.
Auf der INTERSCHUTZ-Messe 2026 in Hannover haben sich Privatwaldbesitzende aus Niedersachsen über Neuheiten und bestehende Konzepte bei Prävention und Bekämpfung von Waldbränden eingehend informiert.
Prävention ist das Wichtigste – technischer Fortschritt braucht freie Bahn.
Die INTERSCHUTZ ist die Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen, Bevölkerungsschutz und Sicherheit. Alle vier Jahre bietet die Deutsche Messe AG Austellern, Branchenvertretern und Besuchern aus der ganzen Welt gleichermaßen eine Plattform für den fachlichen Austausch. Gleichzeitig gelingt es Veranstaltern und Austellern mit Bravour, die Schwerpunktthemen Brandschutz, Katastrophenschutz, Sicherheit und Rettung in der breiten Öffentlichkeit zu platzieren. Auch dieses Jahr haben die Deutsche Messe AG und der Waldbesitzerverband Niedersachsen einen Messerundgang speziell für Waldbesitzende angeboten. Vorstandsmitglied, Waldbesitzer und Berufsfeuerwehrmann Dirk Schütte übernahm verbandsseitig federführend die Koordination des Rundgangs mit der Messe AG. „Prävention ist der beste Schutz vor einem Waldbrand“, gibt Dirk Schütte als Parole für vorausschauendes Handeln in der Forstwirtschaft aus. „Es ist unbedingt notwendig einen Brand schnell zu detektieren, aber die Brandstelle muss auch für die Rettungskräfte erreichbar sein. Der Zustand der Waldwege und ein freies Lichtraumprofil sind hier von entscheidender Bedeutung“, erklärte der erfahrene Einsatzleiter einer niedersächsischen Berufsfeuerwehr und Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Fallersleben. Das frühe Aufklären und schnelle Erreichen von Brandherden im Wald sind nur einige Probleme, für die auf der Interschutz innovative Lösungen vorgestellt wurden.
Aus der schier überwältigenden Anzahl von Ausstellern auf dem Messegelände hat das Team der Deutschen Messe AG den Waldbesitzenden eine passgenaue Auswahl zusammengestellt.
Direkt nach der Begrüßung durch die Messe AG stand Dr. Ulrich Cimolino, Sachbuchautor, Feuerwehrmann und anerkannter Fachexperte den Waldbesitzenden für tiefgreifende Fachfragen zur Verfügung. Für ein gutes Lagebild bei Vegetationsbränden, ist die drohnengestützte Luftaufklärung heutzutage nicht mehr wegzudenken. Dr. Ulrich Cimolino warnte allerdings eindringlich davor, selbstständig und unabgestimmt mit eigenen Drohnen in einem Einsatzgebiet von Rettungskräften zu fliegen.
Moderne Technik ergänzt altbewährtes Löschgerät
Die Firma DJI bietet professionelle Lösungen für die drohnengestützte Luftaufklärung an. Neben Drohnen unterschiedlicher Größen bieten Dockingstationen der Firma DJI die Möglichkeit zum fahrzeuggestützten Drohneneinsatz rund um die Uhr. So lassen sich kontinuierlich und großflächig aktuelle Lagebilder erzeugen.
Vallfirest, einer der führenden Hersteller von persönlicher (Schutz-)Ausrüstung bis hin zu Tanklöschfahrzeugen speziell zur Bekämpfung von Vegetationsbränden, präsentierte den Teilnehmern des Rundgangs verschiedene Gerätschaften. Dabei wurde deutlich, dass neben hochtechnisierten Tanklöschfahrzeugen auch manuelle Verfahren nichts an Aktualität eingebüßt haben. Die klassische Feuerpatsche, Grab- und Hackgeräte oder ein 20L-Löschrucksack mit Handspritze fanden sich auf dem Stand von Vallfirest direkt neben der Tactical Unit 2, einem hochmodernen und geländegängigen Tanklöschfahrzeug.
Das Unternehmen REAKTIS entwickelt innovative Fahrzeugkonzepte für den Brand- und Katastrophenschutz auf Traktorenbasis. Eine Vielzahl modularer Anbauteile ermöglicht ein sehr breites Einsatzspektrum, von Vegetationsbränden bis zum Hochwasser. Neben leistungsstarker Löschtechnik lässt sich auch ein Forstmulcher zur Anlage von Wundstreifen über die Traktorsystemplattform von Reaktis einsetzen. Der angeregte Austausch am Stand von REAKTIS thematisiert auch die wichtige Rolle von Landwirten und landwirtschaftlichem Gerät während der Löscharbeiten. Über das Portal RedFarmer können sich Landwirte registrieren, die ihre Fahrzeuge bereitstellen möchten. Feuerwehren und deren Leitstellen können diese Ressourcen dann einsehen und anfordern.
Das Wildfirecamp bringt auf dem Freigelände der Messe nationale und internationale Experten, Organisationen und Hersteller zusammen. Der intensive Besuch des Wildfirecamps wurde im sogenannten Commandpost eingeleitet. Den Waldbesitzenden wurde anhand eines fiktiven Einsatzszenarios, angefangen bei der Alarmierung der Einsatzkräfte über den operativen Löschangriff bis hin zur Nachbereitung, die Arbeit eines Führungsstabes in der Waldbrandbekämpfung erklärt.
Waldbrandprävention bedeutet auch Wissenstransfer und Instandhaltung
Im Camp selbst erwartete die Teilnehmer des Messerundgangs eine Mischung aus praxisnahen Präventions- und Brandbekämpfungskonzepten. Dazu zählte auch das FOREST FIRE FIGHTING LABORATORY (FFFLAB). Seit der Gründung des FFFLAB durch die Hochschule Rottenburg und die Berufsfeuerwehr Reutlingen im Jahr 2025, dient es dem Innovations- und Wissenstransfer zwischen „Wald und Wehr“. Neueste Technik bei der Waldbrandfrüherkennung stieß bei den interessierten Waldbesitzenden ebenso auf Neugier, wie bereits bewährtes Großgerät zum Räumen munitionsbelasteter Flächen.
Im Abschlussgespräch rekapituliert der erfahrene Berufsfeuerwehrmann Dirk Schütte, ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Waldbesitzerverband Niedersachsen und in der Forstbetriebsgemeinschaft Fallersleben: „Waldbrandprävention hat viel mit Instandhaltung zu tun. Einrichtungen der kritischen Infrastruktur - wie beispielsweise Löschteiche und Waldwege müssen für den Ernstfall einsatzbereit sein. Daher wäre es sinnvoll, wenn das Land Niedersachsen nicht nur die Anlage und Instandsetzung von Löschwasserentnahmestellen mit bis zu 100 % fördern würde, sondern auch deren fortlaufende Instandhaltung. Gleiches gilt für den Bau und die Instandhaltung tragfähiger Waldwege damit entsprechendes Großgerät schnell bis an die Brandstelle verlegt werden kann.“
Quelle: Waldbesitzerverband Niedersachsen e.V.